Baugeschichte und Ausstattung der Kirche
Lage
Die Chorturmkirche mit ihrem umgebenden Kirchhof ist etwas aus der Ortsmitte herausgerückt und steht landschaftlich exponiert nahe der Hangkante zum Nagoldtal.
Der charakteristische Chorturm steht im Osten - gemäß der ursprünglichen Ausrichtung aller Kirchen in West-Ost-Richtung. Bis zur sechsten Eckquaderschicht über dem umlaufenden Wasserschlag gehört er zur ersten am Bauwerk nachweisbaren Bauphase. Im Osten hat er ein spitzbogiges, zweiteiliges Fenster mit Fischblasenmaßwerk, im Südfenster Maßwerk aus Spitzbogen und eingestellten Nasen. Das Nordfenster besitzt eine Mittelstütze mit geradem Sturz.
Der Innenraum
Der Chorraum ist durch Netzgewölbe mit gekehlten Rippen überdeckt. Im Schlussstein trägt er ein Wappen Baden-Sponheims, dessen farbige Fassung 1997 nach restauratorischem Befund erneuert wurde.
Es sind keine Konsolen vorhanden, jedoch 2 Sakramentsnischen - in der Nordwand rechteckig, durch sich durchstechendes Stabwerk gerahmt.
In der Südwand ist der Eingang zur Sakristei. Er hat ein gekehltes Gewände mit geradem, erneuertem Sturz. Der spitze Triumphbogen hat beiderseits breite Fasen mit Dornen am Ablauf, die 1931 überarbeitet wurden.
Sakramentshäuschen
Nordseite des Altarraums
Die Sakristei
Die Sakristei ist auf der Südseite an den Turm angebaut und greift über die Ecke des Langhauses hinüber. Mit ihrer Lage schreibt sie den alten Standort fort, ist aber baulich stark verändert. Im Osten hat sie ein kleines ursprüngliches Fenster mit abgeschrägtem Gewände, geradem Sturz und Gitter. Überdeckt ist sie durch ein Pultdach.
Das Langhaus
Das Langhaus ist heute vier Fensterachsen lang.
Gemessen an vielen anderen Dorfkirchen weist unsere Kirche eine vielfältige bildliche Gestaltung der Fenster auf, die aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts stammt und von der Glasmalerei Achenbach in Karlsruhe ausgeführt wurde.
Die Fenster sind teils zweigeschossig angeordnet, teils durchlaufend. Ihre Anordnung zeigt, dass zunächst keine Empore im Langhaus vorhanden war, da diese heute die beiden zweigeschössigen Fenster im Norden der Kirche durchtrennt. So wurden oberhalb und unterhalb der Empore getrennte, wenn auch inhaltlich aufeinander abgestimmte Motive eingesetzt.
Zwischenzeitlich waren wohl auch die Fenster im Süden der Kirche durch eine Empore durchschnitten worden - jedenfalls wird in den Akten eine dreiseitige Empore erwähnt, die dann bei einer der vorangegangenen Umbau-ten wohl zu einer zweiseitigen zurückgebaut wurde.
Das Dach des Langschiffes ist im Westen abgewalmt, was man auf dem Photo oben, das von Westen aufgenommen wurde, schön erkennen kann. Der Haupteingang mit doppelläufiger Treppe liegt im Süden.
Ausstattung
Der Altar
Die ursprünglich zur Kirchenausstattung gehörenden, 1506 erwähnten drei Altäre gelten als verloren. Der jetzt vorhandene Altar gehört, nach mehreren Zwischenlösungen, wohl zu den jüngsten Ausstattungsgegenständen unserer Kirche. Er wurde bei der Innenrenovierung von 1969-70 eingebaut.
Kruzifix
Das Alter und der wahre Wert dieses Kruzifixes wurde von Seiten des Denkmalamtes Pforzheim erst bei einer jüngeren Inspizierung unserer Kirche erkannt. Der Korpus ist 66 cm hoch und vermutlich aus Lindenholz geschnitzt. Er hat die Ausprägung des "neckarschwäbischen Stils" und ist damit der spätgotischen Stilepoche zuzurechnen. Datiert wird das Kreuz auf ca 1510.
Taufstein
Auch der Taufstein gehört zu den altehrwürdigen Ausstattungen unserer Kirche, und wurde vermutlich im Zuge der Erweiterungen am Anfang des 16. Jahrhunderts in der Kirche aufgestellt. Er besteht aus Sandstein. Das Becken ist sechseckig und hat einen Durchmesser von 63 cm.
Zwischenzeitlich war er zweckentfremdet. Das Kunstdenkmälerverzeichnis des Amtsbezirks Pforzheim-Land von 1938, S. 98-99, erwähnt, dass er damals im Pfarrgarten aufgestellt war. Heute vollziehen wir hier wieder die Taufe. Mit Unterbrechungen wurden hier also seit etwa 500 Jahren Menschen getauft.
Die Orgel
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stand sie hinter dem Altar im Altarraum.
Orgel
Die Orgel hat mehrfach im letzten Jahrhundert ihren Ort gewechselt. Vor der Renovierung im Jahr 1933 stand sie, wie das Photo zeigt, sehr beengt im heutigen Altarraum. Diese Orgel stammte ursprünglich aus der Schlosskirche und wurde um 1880 in unsere Kirche überführt.
Bei der Renovierung in den 30er Jahren wurde sie auf der Westempore aufgestellt, wo noch heute der Orgeltisch steht. 1955 war zunächst eine Teilerneuerung geplant, möglichst viele alte Register sollten übernommen werden. Da dies aber gegenüber einem vollständigen Ersatz unrentabel war, beauftragte unsere Gemeinde 1955 die Fa G. F. Steinmeyer GmbH & Co. Orgelbau in Oettingen mit dem Neubau einer elektropneumatischen Orgel ( opus 1891 ). Seither steht sie am jetzigen Platz auf der Nordempore. Der größere Teil der Pfeifen verbirgt sich hinter den 53 Prospektpfeifen. Insgesamt hat unsere Orgel 906 Pfeifen.
Kanzel
Wie man auf dem alten Photo sehen kann, hatte auch die Kanzel einmal einen anderen Ort. Hoch oben über der Gemeinde erhob sich die Kanzel an der Südwand der Kirche. Ebenfalls im Zuge der Renovierungsarbeiten in den 30er Jahren wurde sie auf ihr jetziges Niveau herabgeholt und die Treppe entsprechend gekürzt. Jedoch handelt es sich weiter um den alten Kanzelkorpus, der aus dem 19. Jahrhundert stammt. Die Kanzel steht wie der Taufstein heute unter Denkmalschutz.
Dachbalken
Die Bemalung der Dachbalken und der Basis des Daches rundum ist keine alte Hinterlassenschaft. Sie stammt ähnlich wie der Bilderzyklus der Fenster vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Dennoch handelt es sich um eine schöne Auflockerung des dunklen Gebälks.
Glocken
Kleine Geschichte der Glocken
Die erste Nachricht über Glocken in unserem Kirchturm stammt aus dem Jahr 1742. Damals gab es zwei Glocken auf dem Turm, aus den Jahren 1682 und 1718. Die Akten des Pfarramts, die 1883 beginnen, sprechen ebenfalls von zwei Glocken. Bei ihnen handelte es sich aber inzwischen um neue Glocken. Anlass des Eintrags ist der Umstand, dass die größere Glocke zersprungen war und nun eine neue in Frankenthal gegossen werden sollte. Am Sonntag vor Weihnachten 1905 zersprang auch noch die kleinere. An ihrer Stelle wurden ebenfalls in Frankenthal - zwei neue Glocken bestellt. Zugleich wurde ein schmiedeiserner Glockenstuhl in Auftrag gegeben.
Im ersten Weltkrieg mussten die beiden kleineren Glocken am 24. September 1917 abgeliefert werden und wurden als Kanonenmetall eingeschmolzen. Auf Bitte der Gemeinde durfte die größte hängenbleiben, nicht wie sonst üblich, die kleinste.
Ab 1920 wurde erneut mit Gießereien verhandelt. Diesmal erging der Auftrag an die Gießerei Bachert in Karlsruhe. Am 27. Februar 1922 wurden die neuen Glocken in einem feierlichen Zug ins Dorf eingeholt, an den beiden Tagen darauf montiert und am 05. März geweiht. Im Jahr 1932 wurde dann eine automatische Läutemaschine beschafft.
Glockenprozession
Auch im zweiten Weltkrieg musste unsere Gemeinde wieder Glocken abliefern. Dies war Anfang 1942 soweit. Zurück blieb nur die kleinste Glocke von 1922, die sogenannte Betglocke. Sie trägt folgende Inschriften, auf der Vorderseite: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort ! Jer. 22,29“ und „Alles ist möglich dem, der glaubt. Jesus, Mark. 9,23“ und auf der Rückseite: „Ich lade zur Rast; ich weise zur Heimat empor den Erdengast.“ Diese Glocke war in c'' gestimmt, hatte inzwischen aber ihren Ton nach cis'' verändert.
Nach Kriegsende bestand zunächst
Hoffnung, dass die alten Glocken wieder zurückgeführt werden könnten. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. So entschloss sich der Kirchengemeinderat, zwei neue Gußstahlglocken in der Stimmung gis' und h' anfertigen zu lassen, die günstiger im Preis waren, aber inzwischen dennoch klanglich mit Bronzeglocken konkurrieren konnten. Der Auftrag ging an den Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG. Im November 1951 wurden die Glocken abgenommen und am 1. Advent ( 2.12.1951 ) geweiht.
Die große Glocke ( ‚Dankesglocke' ) trägt die Inschrift: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich + Psalm 106. Auf der mittleren Glocke steht „TRÖSTET + TRÖSTET MEIN VOLK + SPRICHT EUER GOTT + Jes 40.“ sowie „EHRET DIE TOTEN, DIE STRITTEN UND STARBEN FÜR EUCH. + GOTT, LASS ZU UNS KOMMEN DEIN REICH +.
Im Prüfbericht des Evang. Orgel- und Glockenprüfamts heißt es, dass der Zusammenklang der drei Glocken befriedigend sei, wenn auch die bei-den Gußstahlglocken die ‚etwas dünnere' Bronzeglocke im Klang er-drücken.
Heute nutzen wir die kleinste Glocke als unsere Tauf- und Totenglocke, die mittlere dient uns als Betglocke und wird bei allen Segenshandlungen außer der Taufe geläutet, die größte und damit tiefste Glocke wird beim Gang zum Grab angeschlagen.
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