Zur weiteren Geschichte unserer Gemeinde
Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 trat der Markgraf Karl II auf die Seite der protestantischen Fürsten. In der Folge wurden Klöster säkularisiert. Evangelische Theologen wurden geholt, eine neue Kirchenordnung entworfen. 1556 wurde die lutherische Reformation in der Markgrafschaft eingeführt und Visitationen durchgeführt, um die lutherische Kirchenordnung durchzusetzen.
Württemberg oder Baden ?
Seit 1558 wurde Huchenfeld als Filialgemeinde von dem damals noch badischen Reichenbach ( heute Unterreichenbach ) mitversorgt. Dafür erhielt der Pfarrer aus der Amtskellerei Pforzheim eine jährliche Unterstützung in Geld, Getreide und Wein. 1603 kam Reichenbach durch Gebietstausch zum württembergischen Dekanat Calw. Dennoch wurde Huchenfeld weiter von Reichenbach aus betreut, auch die jährliche Unterstützung für den Pfarrer in Reichenbach von Pforzheim aus blieb bestehen.
Als in den Wirren des 30-jährigen Krieges viele Jahre kein Pfarrer in Reichenbach amtierte, wurde Huchenfeld von der Spitalkirche in Pforzheim aus seelsorgerlich versorgt. 1648 wurde der Pforzheimer Diakon Seutterlin damit beauftragt, den Flecken Huchenfeld zu betreuen. Anfang Januar 1650 machte er darauf aufmerksam, dass er für diesen Dienst den bisher Reichenbach zustehenden Unterhalt nicht erhalte, und stellte einen Antrag darauf, der genehmigt wird. Als 1651 Reichenbach wieder einen Pfarrer erhielt, führte dies natürlich zu Verwicklungen.
Kirche vor 1933 vom Nagoldtal
Zeichnung in den Bauunterlagen
Der Streit darüber, wer nun den Dienst in Huchenfeld zu versehen hat und wem der Unterhalt dafür zusteht, schwelte über Jahre und eskalierte schließlich im Jahr 1679. Der Markgraf ordnete an, "das Filial Huchenfeld hinfüro wiederumb von dr alten Stadt Pforzheim auß, alß wohin es ohnedem von alters her alß ein Filial gehöre, versehen zu lassen." Von dieser Anordnung setzte der Markgraf den Reichenbacher Pfarrer Rößlin am 30. August in Kenntnis, den Gottesdienst am 31. August soll bereits der Altstadtpfarrer halten. Da der Reichenbacher Pfarrer sich das nicht gefallen lassen wollte, nahm die Geschichte ihren kuriosen, aber durchaus ernsten Verlauf. An den darauffolgenden Sonntagen waren jeweils zwei Pfarrer zugegen, die sich gegenseitig die Kanzel streitig machten.
Protest kam auch von den Huchenfeldern, die bisher mit der Betreuung von Württemberg aus zufrieden waren. Es zeigte sich überdies, dass der Pfarrer der Altstadtpfarrei überlastet war, da er immer noch wie in den Anfangszeiten der Gemeinde auch Dillstein und Würm neben seiner Altstadtpfarrei zu betreuen hatte. Die Huchenfelder stellten den Antrag, entweder weiter von Reichenbach aus versorgt zu werden oder einen eigenen Pfarrer zu bekommen.
Selbständige Gemeinde seit 1680
Da Huchenfeld die meisten Einwohner der drei Filialgemeinden hatte, verfügte der Markgraf schließlich im August 1680, die Filialgemeinde Huchenfeld zur selbständigen Kirchengemeinde zu erheben. Der bisherige Pfarrer von Ispringen, Magister Johann Melchior Aichelin, wurde zum ersten Pfarrer in Huchenfeld ernannt.
Die Filialgemeinden Büchenbronn und Weißenstein wurden fortan von Huchenfeld aus versorgt. Damit war dieser langwierige Streit zu Ende.
Allerdings war ein Mangel der Gemeinde in Huchenfeld das relativ geringe Gehalt der Pfarrer. Darum gab es bei den Pfarrern in Huchenfeld über lange Jahre auch einen häufigen Wechsel, wie man aus der beigefügten Liste der Pfarrer sehen kann.
Seit 1690 mussten die Pfarrer in Huchenfeld nur noch die Filiale Weißenstein mitversehen. Neben den Beschwernissen des Weges nach Weißenstein gab v.a. der schlechte Bauzustand des Pfarrhauses immer wieder Anlass zur Klage ("Weilen die Wohn- und Studierstube von schlechten und zerfallenen Riegelwänden welche verursachen, daß es bei ungestümer und kalter Witterung fast einerley ob man auf der Straße oder in der Stuben, weilen solche nicht zu erwärmen ist", schreibt Pfarrer Garmann am 27.05. 1748 an den Markgrafen ). Schließlich wurde das Pfarrhaus 1776 erneuert.
Ausriss aus den Pfarramtsakten
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