Zur Baugeschichte
Die frühen dreißiger Jahre
Seit diesem Zeitpunkt in den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es dann Planungen für eine Kirche in den beiden (späteren) Filialen der Huchenfelder Gemeinde.
In einem Brief des Evang. Oberkirchenrats vom 17.12.1934 heißt es dazu: "Da die Evangelischen in Hohenwart noch nicht in das Kirchspiel Huchenfeld einbezogen sind, sondern noch einen eigenen Diasporaort bilden, können sie für die Ausführung der Bauabsicht in Hohenwart nur aus der Reformationskollekte eine Unterstützung bekommen. Das Erträgnis der Buß- und Bettagskollekte ist für arme Kirchengemeinden bestimmt, welche aus eigener wirtschaftlicher Kraft ihre baulichen Bedürfnisse nicht befriedigen können. …. Was nun die Absicht der Erstellung eines Gottesdienstraumes betrifft, so sollten wir zur Vorbereitung der Ausführung eines derartigen Baues wissen, ob beabsichtigt ist, eine kleine Kirche zu erstellen oder ein Gemeindesaal gewünscht wird, ob bei einer Kirche auch ein Raum für Erteilung von Religionsunterricht insbesondere für Konfirmandenunterricht nötig ist, und wie groß die Zahl der erforderlichen Sitzplätze sein soll. Nach der Volkszählung vom Jahr 1933 beträgt die Zahl der Evangelischen in Hohenwart 42 und in Schellbronn 18 bei einer Gesamtbevölkerung von 443 Einwohnern in Hohenwart und von 477 in Schellbronn. …"
Bereits im März 1935 wird als Prüfergebnis des EOK mitgeteilt, dass "… in einem Zeitpunkt, wo in viel größeren Kirchengemeinden …. die Bedürfnisse nach Gottesdienstraum aus Mangel an Geld nicht befriedigt werden können", es sich "nicht vertreten lässt, landeskirchliche Geldmittel für einen Gottesdienstraum an einem Diasporaort zur Verfügung zu stellen, der im ganzen 60 evangelische Seelen aufweist."
Zu diesem Zeitpunkt wird der Ratssaal im Rathaus für die sonntäglichen Gottesdienstversammlungen genutzt. Wieweit die örtlichen Parteimitglieder der NSDAP diese Nutzung kommunaler Gebäude durch die Evang. Gemeinde unterstützten - entgegen der Tendenz der Partei, kirchliche Versammlungen überhaupt zu erschweren - ( evtl. als "Kampfmaßnahme" gegen die katholische Kirche, die in der öffentlichen Wahrnehmung stärker gegen das totalitäre Regime opponierte ?), wäre eine eigene Untersuchung wert.
Aus dem Jahr 1935 gibt es noch weitere Mitteilungen. Nachdem im März 1935 ein Betrag von 500,- RM aus der Reformationsfestkollekte an den Kirchenfonds der Evang. Gemeinde Hohenwart-Schellbronn genehmigt worden war, wurde auf dieser Grundlage im Juli der Erwerb eines Bauplatzes freigegeben.
Mit Schreiben vom 10. Juli 1935 weist der Evangelische Oberkirchenrat (EOK) den Evang. Kirchengemeinderat Huchenfeld allerdings an, das Angebot des Bürgermeisters von Hohenwart anzunehmen, "wenn damit den evang. Bewohnern von Hohenwart durch Zurverfügungstellung eines geeigneten Raumes seitens des Bürgermeisters eine ungestörte Abhaltung ihres Gottesdienstes solange gewährleistet werden kann, bis die eigene Kapelle erstellt ist. Die Vorkommnisse der Vergangenheit sollten für die Verhandlungen keine Hemmnis bilden. …."
Die Jahre 1936 bis 1938
Im März 1936 werden dem Kirchenfonds erneut 300,- RM aus der Reformationsfeierkollekte 1935 zugewiesen.
Das ganze Jahr 1936 ist von intensiven Bemühungen um die Errichtung einer Kirche in Hohenwart geprägt. Die Planungen für die neue Kirche machen Fortschritte. Zunächst wird ein Bauplatz außerhalb des Orts-Etters Hohenwarts Richtung Schellbronn favorisiert, weil diese Lage einen Besuch des Gottesdienstes durch die Gemeindeglieder auch aus Schellbronn wesentlich erleichtern würde.
Nach Auskunft des EOK hält das Bezirksbauamt diesen Bauplatz für ungeeignet. Es wird empfohlen, ihn höchstens als Tauschgrundstück für einen geeigneteren Bauplatz zu erwerben. Ein daraufhin diskutierter Bauplatz auf halbem Weg nach Schellbronn käme aufgrund der Gefahr böswilliger Beschädigungen und Störung der Gottesdienste nicht in Frage. Auch die Bezirksnaturschutzstelle erklärt diesen Bauplatz "aus ökologischen Gründen" für ungeeignet.
Die darauf folgenden Beratungen schwanken zwischen völligem Verzicht auf den vorgesehenen Bauplatz und einer Sichtung des - noch einzureichenden - Entwurfes der Kirche. Im August bittet die Bauabteilung des EOK um Ergänzung der eingereichten Entwürfe und um Kostenvoranschlag. In dieser Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass die vorgesehene Konstruktion (Hohlraum zwischen Baugrund und Kirchenboden, der aus Holzbalken besteht) anfällig für Verfaulen ist. Weitere Planungsmängel werden aufgeführt (die fast alle mit den nur spärlichen Finanzmitteln für die Kapelle zu tun haben) und schließlich geraten, die Fragen der Gestaltung solange zurückzustellen, bis die Bauplatzfrage geklärt sei.
Nachdem im Zug der Planungen für die neue katholische Kirche der Abriss der alten Dorfkirche diskutiert wird, kommt im August 1936 ein neuer Gesichtspunkt in die Diskussion: Könnte nicht die alte katholische Dorfkirche durch die Evang. Gemeinde übernommen werden ? Diese Lösung wird auch vom Baubezirksamt vom Standpunkt der Baudenkmalspflege unterstützt.
Da der Verkauf der katholischen Kirche aber erst in einem längeren Zeitraum vorgesehen scheint, wird im Oktober 1936 erneut die Bauplatzfrage angegangen.
1937 wird dem Baufonds erneut ein Betrag von RM 250,- aus der Reformationsfeierkollekte des Vorjahres zur Verfügung gestellt.
Nun ist ein Grundstück gegenüber dem Hohenwarter Friedhof in der Diskussion, der Ort, an dem die Kirche später dann tatsächlich errichtet werden wird. Aufgrund der Zuordnung zum Friedhof sei allerdings die Lage des Eingangs auf diesen hin zu korrigieren. Diese Korrektur und der Zuschnitt des Bauplatzes bedeutete für den Kirchenbau, dass die Kirche nun schmaler angelegt werden musste, als ursprünglich gedacht. Die Bauabteilung des EOK macht darauf aufmerksam, dass durch den wasserundurchlässigen Bauuntergrund eine gute Drainage unerlässlich sei.
In dessen Schreiben vom April 1937 wird außerdem bedauert, dass kein Baugrund im Ortsetter zu finden sei, da dies die konfessionellen Gegensätze im Ort nicht zuließen. Der veranschlagte Verkaufspreis der alten katholischen Dorfkirche sei aufgrund der großen Vernachlässigung der Kirche im Verhältnis zum Schätzwert nicht tragbar. Der Oberkirchenrat empfiehlt daraufhin neben der Beschlussfassung durch den Kirchengemeindeausschuss Huchenfeld trotz der Differenzen hinsichtlich des Baupreises noch einmal die Überprüfung des Ankaufes der alten katholischen Ortskirche. Dies kommt nicht zustande.
Im Juli 1937 werden dann erste Schritte zur Baufinanzierung einer neuen Kapelle durch Herrn Pfr Pfisterer veranlasst. Der Bauplatz der Kirche wird vom damaligen Architekten Zimmermeister Frey erworben. Der durch die Landesbank vorgeschlagene Weg der Baufinanzierung wird jedoch durch den EOK abgelehnt und die Gemeinde gebeten, so lange mit dem Bau zu warten, bis ein angemessener Anteil an den Baukosten selbst finanziert werden kann.
Dieser Bescheid wird im November 1938 noch einmal bekräftigt. Damit enden die Bemühungen um den Bau einer Kapelle in Hohenwart vor dem Krieg. Dennoch werden in weiser Voraussicht jahrelang Bausteine von abgetragenen Mauern (wie des Huchenfelder Pfarrgartens) und von abgestellten Grabsteinen des Huchenfelder Friedhofs zusammengetragen und auf dem Hohenwarter Bauplatz gelagert.
Nach dem 2. Weltkrieg
Nach dem zweiten Weltkrieg sollten die Baupläne dann neu belebt werden. Inzwischen hatten sich weitere evangelische Männer und Frauen nach Hohenwart verheiratet, andere hatten die Kriegswirren hierher verschlagen. Relativ groß war die Zahl von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, die ihren angestammten Wohnort zum Beispiel an der Zips (heute Slowakische Republik), Ostpreußen oder Schlesien verlassen mussten und in Hohenwart eine Bleibe gefunden hatten. Die Zahl der Evangelischen war somit im Jahre 1950 bereits auf 150 angewachsen. Wiederum ergriff Pfarrer Pfisterer die Initiative, um endlich den Kirchenbau zu verwirklichen. Der Bürgersaal des Rathauses war inzwischen zu Verwaltungsräumen umgebaut worden, und man hatte in einen Schulsaal ausweichen müssen, um den Gottesdienst halten zu können.
Der Huchenfelder Architekt Reinhold Söhnle nahm die früheren Planvorstellungen wieder auf. In modifizierter Form wurden sie 1954 den verschiedenen Behörden wieder vorgelegt. Jetzt ging es relativ schnell. Die Neubaukosten wurden mit 25.000,- DM veranschlagt.
Auch zu diesem Zeitpunkt wurde noch einmal der Ankauf der alten katholischen Dorfkirche geprüft. Der Stiftungsrat der katholischen Gemeinde stimmte dem Verkauf an die evangelische Gemeinde am 19.12.1954 zu. Das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg koppelte den Verkauf gegenüber dem EOK allerdings an eine Lösung in Kippenheim/Lahr, wo die Ortskirche als Simultaneum (durch evangelische und katholische Kirche zugleich) genutzt wurde. Die Evangelische Gemeinde dort sollte ihren Anteil an der alten Ortskirche an die katholische Gemeinde abgeben. Diese Übergabe scheiterte, in Kippenheim wurde später eine katholische Kirche neu gebaut und die alte Ortskirche an die evangelische Gemeinde übergeben.
Der Kirchengemeinderat unserer Gemeinde nimmt schließlich mit Schreiben vom 21. März 1955 Abstand vom Erwerb der alten katholischen Kirche und beantragt den Neubau auf dem dem Friedhof gegenüberliegenden Grundstück.
Bereits am 07. April 1955 liegt die Baugenehmigung vor. Eine Landeskirchensammlung für die Kapelle in Hohenwart erbringt rund 4780,- DM. Spatenstich ist im September 1955. Um Geld zu sparen, arbeiten viele Gemeindeglieder auf freiwilliger Basis am Bau der Kirche mit, allen voran Pfarrer Pfisterer.
Zu den bereits gelagerten Bausteinen wurden weitere Grabsteine vom Hauptfriedhof Pforzheim geholt sowie Trümmersteine aus der zerbombten Stadt, die erst mühsam in die richtige Größe gebrochen werden mussten.
Den Dachstuhl fertigte Albert Bogner (Hohenwart), die Schreinerarbeiten im Inneren wurden von der Fa Ruckaberle (Huchenfeld) ausgeführt.
Der Bau wurde aufgrund zahlreicher Spenden möglich. Viele Gemeindeglieder gaben Geld- oder Sachspenden oder beteiligten sich durch Mitarbeit. Eine größere Spende ging dabei von unbekannter Seite ein. Auch die enge Verbundenheit zur Ortschaft zeigte sich an einer großzügigen Spende der Gemeindeverwaltung Hohenwart.
Das Richtfest wurde im August 1956 gefeiert, Glockenweihe war im April 1957 (Weitere Angaben zur Glocke vgl. >>> hier).
Einweihungsfeierlichkeiten
Der Tag der Kirchweihe war der 13.10.1957. Viele Bürger Hohenwarts beider Konfessionen nahmen Anteil, und Sonderbusse standen zur Verfügung, um Huchenfelder Gemeindeglieder nach Hohenwart zu bringen, gemeinsam feierte man das Fest. Unter dem Geläut der katholischen und evangelischen Kirchenglocken erfolgte der symbolische Auszug vom Schulsaal zur neu erbauten Kapelle. (Photo oben).
Nach der feierlichen Öffnung der Kirche (siehe Photo links), der Schlüsselübergabe und dem Einzug in die Kirche wurde diese vom anwesenden Prälaten D. Hermann Maas geweiht.
Dabei erhielt die Kapelle ihren Namen: Jesus-Christus-Kirche.
Der MGV Eintracht Hohenwart gestaltete den Festgottesdienst mit, die Festansprache hielt Prälat Maas.
Den Abschluss des Festtages bildete ein Konzert in der Huchenfelder Kirche mit dem MGV Eintracht Huchenfeld und dem Evangelischen Kirchenchor Huchenfeld.
Bis 1967 wurde die Jesus-Christus-Kirche wöchentlich für Gottesdienste der Gemeindeglieder aus Hohenwart und Schellbronn genutzt. In diesem Jahr wurde die (ebenfalls durch Pfr. Pfisterer initiierte) Evangelische Kirche in Schellbronn eingeweiht. Ab diesem Zeitpunkt fand der Gottesdienst in den beiden Filialgemeinden in wöchentlichem Wechsel statt.
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