Aus der Geschichte der Filial-Gemeinde Hohenwart
Die evangelische Kirchengemeinde von Hohenwart ist heute eine Filialgemeinde von Huchenfeld. Diese war einst neben Würm, Weißenstein und Dillstein Teil der Pforzheimer Kirche St. Martin (Altstadtkirche). Das Kloster Hirsau stellte hierzu die Geistlichen ab.
Im Jahre 1588 wird Huchenfeld von der Altstadtkirche gelöst und der Pfarrgemeinde Unterreichenbach zugewiesen. Als schließlich Unterreichenbach politisch zu Württemberg kam, hatten die badische und württembergische Regierung nicht bedacht, auch die kirchliche Betreuung von Huchenfeld zu regeln. Oft trafen sich zur Gottesdienstzeit in Huchenfeld der Unterreichenbacher Geistliche und der Altstadtkirchenpfarrer vor der Kirche. Sie mussten sich jedesmal einigen, wer den Gottesdienst halten sollte. Die Huchenfelder Bevölkerung war eher für den Unterreichenbacher Pfarrer eingenommen, obwohl der Pastor der Altstadtkirche eigentlich zuständig gewesen wäre. Böse Zungen behaupteten, die Huchenfelder Gesinnung rühre daher, dass der Unterreichenbacher Pfarrer mit einem weitaus bescheideneren Mittagessen nach dem Gottesdienst zufrieden gewesen wäre als sein Pforzheimer Amtsbruder.
Um 1680 wird dann Huchenfeld zur selbständigen Pfarrgemeinde ernannt, nicht zuletzt deshalb, weil der badische Markgraf weitere Auseinandersetzungen mit Württemberg um die geistliche Betreuung Huchenfelds fürchtete. Doch bis die seelsorgerliche Ausstrahlung Huchenfelds auf Hohenwart erfolgte, vergingen noch rund 250 Jahre.
Hohenwart im 19. Jahrhundert
Die strenge Ordnung des Augsburger Religionsfriedens hatte den einzelnen Orten die Religionszugehörigkeit nach dem Glauben des jeweiligen Landesherren zugewiesen. In Hohenwart wird erst um 1850 dieses Prinzip durchbrochen. Der zunehmende Ausbau der Pforzheimer Schmuckindustrie lockerte die jahrhundertealte religiöse Isolierung auf.
Mehr und mehr Hohenwarter Männer und Frauen fanden in Pforzheim ihre Beschäftigung, lernten dort auch evangelische Mitchristen kennen und lieben. Nicht selten führten sie sie dann auch als Ehepartner heim nach Hohenwart. So werden dann um 1861 acht evangelische und 1870 zehn evangelische Mitbürger gezählt. Bis sich jedoch die evangelischen Bürger auch zu einer eigenen Kirchengemeinde finden konnten, vergingen noch einige Jahrzehnte.
Bildung einer eigenen Gemeinde
Die ersten Ansätze hierzu sind Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu beobachten. Sie sind in enger Verbindung mit dem Huchenfelder Pfarrer Ludwig Pfisterer zu sehen. Er war seit 1926 Pfarrer in Huchenfeld. Besonders intensiv nahm er sich auch seiner evangelischen Gemeindeglieder in Hohenwart an. So gab er den evangelischen Kindern der Volksschule den Religionsunterricht und führte den Gottesdienst in Hohenwart ein. Damals zählten ca 40 Einwohner Hohenwarts zur evangelischen Gemeinde.
Als erster Versammlungsort diente noch die „Gute Stube" im Elternhaus der späteren Küsterin Frau Lina Meyerle. Alle Stühle und sonstigen Sitzmöglichkeiten wurden am Sonntagmittag hier zusammengestellt. Pünktlich um 14.00 Uhr erschien nach einem Fußmarsch von Huchenfeld nach Hohenwart der Pfarrer Pfisterer, um den Gottesdienst abzuhalten. Wenn auch anfänglich nur alle vier Wochen ein evangelischer Gottesdienst stattfand, so war damit doch der Ursprung für die Gemeindebildung gelegt worden.
Mit der Zeit fanden sich immer mehr Menschen zum Gottesdienst ein. Es musste ein größerer Raum gefunden werden. Anfang der dreißiger Jahre wechselte man daher in den Bürgersaal des Hohenwarter Rathauses um. Hier fanden dann bereits alle 14 Tage am Sonntagnachmittag die Gottesdienste statt. Zu ihnen gesellten sich dann auch evangelische Christen aus Schellbronn.
(Abschnitt - mit einer Ergänzung - entnommen aus: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Hohenwart bis 1957 von Wolfgang Pieper im Hohenwarter Heimatbrief Nr 4 vom Juni 1987, S. 16-18)
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