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23. Februar 2011 und Besuch von Benjamin Wynne

In der Woche rund um den 23. Februar 2011 hatten wir Besuch von Benjamin Wynne.

Benjamin Wynne ist der Sohn von John Wynne, jenem Piloten, dessen Mannschaftskameraden am 17./18. März in Huchenfeld auf dem Friedhof erschossen und in Dillweißenstein erschlagen wurden. Seit der Enthüllung der Gedenktafel an unserer Kirche setzte er viele Impulse für den Versöhnungs-prozess zwischen uns und den Angehörigen der Ermordeten. Für ihn war von Anfang an auch klar, dass zum Gedenken an seine Kameraden auch das Gedenken an die Toten des Bombenangriffs auf Pforzheim gehört und dass es über die Aufarbeitung der Vergangenheit hinaus auch eine klare Zukunftsperspektive geben muss.

So hat John Wynne zahlreiche Symbole der Versöhnung gestiftet - u.a. das Schaukelpferd "Hoffnung" für unseren Kindergarten, Narzissen und Krokusse, die jedes Jahr rund um unsere Kirche im Friedhof blühen, nach dem verheerenden Sturm Lothar einen Gingkobaum auf dem Hauptfriedhof - und wurde darüber hinaus zum Initiator zunächst des Schüleraustausches zwischen seinem Heimatort Llanbedr in Wales und der Grund- und Hauptschule Huchenfeld sowie letztendlich auch für die Ortspartnerschaft zwischen Huchenfeld und Llanbedr.

An der Gedenktafel in Huchenfeld

Auf dem Friedhof in Huchenfeld

v.l.n.r.: Ehepaar Beck-Ehninger, Frau Schanz-Hölzle, Ortschaftsratsvorsitzender Heinrich Bayer, Benjamin Wynne, Frau Widenmeyer, Pfr. Jörg Geißler

Am Vormittag des 23. Februars besuchte Benjamin Wynne Huchenfeld. Mit Mitgliedern der Nagelkreuzgruppe Huchenfeld und der Ortsverwaltung sowie des Freundeskreises Wales traf er sich am Platz "bei den sieben Rosen".

Diese sieben Rosen stehen für die fünf ermordeten Kameraden seines Vaters sowie zwei weitere stellvertretend für die Opfer des Luftangriffes auf Pforzheim. Gegenüber der Gedenktafel an der Friedhofsmauer befinden sich die Gräber zweier Opfer vom 23. Februar 1945, auf die sich die beiden "überzähligen" Rosenbüsche beziehen.

Zwischen den Opfern vom 23. Februar und den fünf Toten vom 17./18. März 1945 gibt es zwar keinen kausalen Zusammenhang (siehe dazu auch die Unterseite zur Geschichte des Nagelkreuzes in Huchenfeld), doch alle miteinander sind Opfer der Nationalsozialistischen Ideologie und desselben Wahnsinns Krieg geworden, der in Gottes Augen nicht sein darf und vor dem jedes einzelne Opfer so viel wiegt wie die ganze Welt (daher Opfer auch nicht gegeneinander aufgerechnet werden können). Aus diesem Grund war das Gedenken in Huchenfeld auch schon recht bald nicht einseitig auf die britischen Luftwaffenangehörigen gerichtet, sondern hat immer auch das Gedenken an den 23. Februar mit einbezogen.

So legte Benjamin Wynne im Auftrag seines Vaters bei diesem Zusammentreffen an der Gedenktafel auch je ein Blumengesteck an den Gräbern der beiden am 23. Februar umgekommenen Deutschen nieder.

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Der Kranz mit Narzissen am Großkreuz

John Wynne wird in diesem Mai 90 Jahre alt. Da ihm selbst solche Reisen zu beschwerlich sind, kam dieses Jahr in der Woche rund um den 23. Februar sein Sohn Benjamin nach Pforzheim, um an seiner Stelle erneut ein Botschaft der Versöhnung zu sein.
Schon seit Beginn des Kontakts zu unserer Gemeinde lässt John Wynne jedes Jahr am Gedenktag einen Kranz am Großkreuz auf dem Hauptfriedhof niederlegen - mit Narzissen in der Anzahl der Jahre, die seit dem Angriff vergangen sind: Ein weiteres Zeichen der inneren Teilnahme und eine Geste der Versöhnung gleichermaßen. Über viele Jahre wurde dieser Kranz in seinem Namen durch Mitglieder der Nagelkreuzgruppe niedergelegt - dieses Jahr hat diese Aufgabe sein Sohn Benjamin übernommen. Bilder vom Kranz siehe rechts.
Die Reden am Großkreuz hielten OB Gerd Hager sowie Pfarrer Dr. Johannes Mette von der Katholischen Seelsorgeeinheit Pforzheim-West.

Übergabe des Wander-Nagelkreuzes am Ginkgo-Baum

Anschließend wurde dort das so genannte "Wandernagelkreuz", das im vergangenen Mittelpunkt vieler Veranstaltungen zum Thema Versöhnung in den Weststadtgemeinden war, an die Seelsorgeeinheit Liebfrauen weitergegeben - nämlich beim Ginkgobaum, den John Wynne gestiftet hat. Auch dieser Übergabezeremonie um ca 16.45 Uhr wird Benjamin Wynne als Gast beiwohnen.
Nach einleitenden Worten von Herrn Roland Ganninger (Stadtkirche) hielt Pfr. Jörg Geißler die Rede für das Nagelkreuzzentrum Pforzheim (Den Wortlaut finden Sie hier). Im Anschluss wurden die Worte der Nagelkreuzlitanei von Konfirmanden der Weststadtgemeinden, der Stadtkirche und der Gemeinde Huchenfeld gesprochen - und zwar jeweils einen Abschnitt in einer der Fremdsprachen, der die Konfirmanden mächtig waren (Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch und Russisch) jeweils gefolgt vom selben Abschnitt in deutschen Übersetzung.
Benjamin Wynne richtete Worte an das Publikum im Namen seines Vaters und danach wurde das Wander-Nagelkreuz von den Pfarrern der protestantischen Weststadtgemeinden ( Pfrin Martina Fuchs und Dekan Dr Hendrik Stoessel ) weitergegeben an den Katholischen Pfarrer der Seelsorgeeinheit Liebfrauen-Buckenberg, Georg Lichtenberger.

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Besuch bei Hoffnung

Benjamin Wynne und Hoffnung

Im Kreis der Kindergartenkinder

Tags darauf, am 24. Februar, war Benjamin Wynne dann noch einmal Gast in Huchenfeld. Er besuchte den Kindergarten unserer Gemeinde und das Schaukelpferd "Hoffnung", das sein Vater als Geschenk der Mütter der Luftwaffeneinheit, bei der er gedient hatte, im Jahr 1994 zur Einweihung des Neubaus mitgebracht hatte.

Dieser Besuch wurde auch von den Kindern gebührend gefeiert und dem Gast aus Wales Lieder gesungen. Originalton eines Kindes: "Stell Dir vor Mama, wir mussten extra ein englisches Lied lernen, weil der Mann kein Deutsch spricht ..."

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Rede am Ginkgo-Baum